Folge 50
Ohne Bits und Bytes keine Nachhaltigkeit? Im vierten Teil unserer Reihe Nachhaltigkeit in der Urologie geht es um die unabdingbare digitale Weiterentwicklung des Gesundheitssystems. Dazu hat Christian Wülfing gleich drei Gesprächspartner eingeladen. Die Transformationsberaterin Carolin Kröger sieht in Digitalisierung und Nachhaltigkeit aus zwei Seiten einer Medaille. Dr. Eddy Groen vom Fraunhofer IESE empfiehlt, einfach heute schon mit der Nachhaltigkeit zu beginnen und damit andere im Team zu begeistern. Und Ludger Franzaring spricht von seiner 92-jährigen Mutter. Denn jede nachhaltige Digitalisierungsstrategie verpufft, wenn die neuen Tools nicht angenommen werden.
UROlogisch!
Deutschlands Top-Urologen on air: DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing kennt sie (fast) alle und holt das „Who’s who der Urologie“ ans Mikro. Im neuen urotube-Podcast „UROlogisch!“ geht’s ums Fach – in Klinik und Praxis – und auch mal ums Persönliche. Der Podcast für die urologische Community erscheint in regelmäßiger Folge hier auf urotube, aber auch auf Spotify, Apple Podcasts und Deezer.
Transkript
Hinweis: Das Transkript ist mit KI erstellt und wurde von der Redaktion nicht bis ins letzte Detail geprüft. Wir übernehmen keine Verantwortung für etwaige Trankriptionsfehler. Auf den ersten Blick ist es aber zimelich akkurat.
Christian Wülfing: Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Hörerinnen und Hörern des Urologisch Podcasts. Hier ist wieder Christian Wülfing mit einer neuen Folge dieses wunderbaren Podcastes. Und zwar nicht irgendeines Podcastes sondern wir befinden uns in einer weiteren Folge nämlich Folge vier unserer Miniserie dieser fünfteiligen Serie über die Nachhaltigkeit in der Urologie. Was ein tolles Thema. Und an dieser Stelle auch schon mal, wie gesagt heute ist Folge vier. Hören Sie gerne auch in unsere anderen Folgen rein und ich freue mich dass wir in der heutigen Serie oder Folge wieder tolle neue Gäste haben.
Da darf ich einmal ganz kurz vorstellen zuallererst die Frau Caroline Kröger. Hallo Frau Kröger, schön dass Sie heute da sind.
Caroline Kröger: Hallo, Dankeschön, freu mich sehr!
Christian Wülfing: Frau Kröger, sagen Sie ganz schnell, was Sie so machen im Alltag.
Caroline Kröger: Gerne. Ich begleite Unternehmen seit über zwanzig Jahren jetzt schon bei der digitalen und nachhaltigen Transformation, angefangen hat alles in der Musikindustrie, die eine der ersten Branchen war, die von diesem digitalen Umbruch erfasst wurde. Heute bin ich Beraterin bei der Strategie-Boutique Nunatak Group und Mitautorin des Buches „Twin Transformation“, das genau das verbindet: Digitalisierung und Nachhaltigkeit als zwei Seiten derselben Medaille. Und ich freue mich sehr, heute dabei zu sein!
Christian Wülfing: Und das freut mich sehr. Im Vorgespräch haben Sie gesagt: „Ich bin alles, aber auf gar keinen Fall Medizinerin oder Mediziner. Ich kenne mich nicht mit Medizin aus.“ Aber genau das ist ja der Reiz auch dieser Folge, dass wir gleich mal hören, was Sie zum Thema Nachhaltigkeit und sozusagen von Externen auch beitragen können.
Dann freue ich mich, dass Dr. Eddy Groen da ist vom Fraunhofer-Institut. Hallo Herr Groen! Ich hoffe, ich habe Ihren Namen richtig ausgesprochen.
Eddy Groen: Ich war schon sehr beeindruckt. Ja, genau, ich bin Niederländer, deswegen ist mein Nachname Groen. Für die Deutschen erlaube ich es natürlich auch, mich Grön zu nennen. Ich will das ja nicht jedem schwierig machen. Bin auch schon seit dreizehn Jahren in Deutschland und finde mich hier auch sehr wohl. Bin ganz lange am Fraunhofer ITWM in Kaiserslautern, da bin ich Senior Requirements Engineer. Ich koordiniere hier die Strategie zu KI im Software Engineering sowie auch die digitale Nachhaltigkeit, was bei uns auch groß auf die Fahne geschrieben wird.
Nebenbei bin ich noch bei IREB, das ist das Organ, das im Requirements Engineering die Standardisierung vornimmt. Da bin ich der Leiter von der Special Interest Group to Sustainability, oder zur Nachhaltigkeits-Sexus ist es abgekürzt, und dadurch versuchen wir alle zu befähigen, um das Thema Nachhaltigkeit anzugehen. Aber ich freue mich deswegen auch hier zu sein, weil auch in der medizinischen Branche ist das sehr wichtig.
Christian Wülfing: Also ein echter Profi vom Fraunhofer-Institut zum Thema Nachhaltigkeit. Wir hören gleich, was Sie uns hier an guten Dingen beizutragen haben.
Und dann freue ich mich auf Dr. Ludger Franzaring. Lieber Ludger! Wir kennen uns seit vielen Jahren. Du bist Urologe, so wie ich, arbeitest in Koblenz und erzähl mal, was machst du denn? Wie kommst du denn zu dieser ganzen Aufgabe der Nachhaltigkeitsforschung?
Ludger Franzaring: Ja, hallo Christian! Ich grüße dich. Ja, ich bin dazugekommen wie die Mutter zum Kind. Letztendlich ging das von dem letztmaligen DGU-Präsidenten Prof. Wollich hervor. Er hatte für den DGU-Kongress im letzten Jahr sich ein Schwerpunktthema herausgesucht, das sich mit dem Bereich der Nachhaltigkeit befasst. Letztendlich bin ich über die Arbeitsgruppe der Leitenden Krankenhausärzte in diesem Gremium gelandet, und wir haben uns über eineinhalb Jahre mehrfach getroffen und mehrfach Konferenzen geschaltet, wo wir uns mit dem Thema der Nachhaltigkeit und Digitalisierung befasst haben.
Das ist ein großes Gebiet, und insgesamt haben wir mit der Digitalisierung denke ich eine gute Möglichkeit, auch im Bereich der Nachhaltigkeit Ressourcen zu schonen. Das ist ja das oberste Ziel. Wir haben unterschiedliche Themen in diesem Arbeitskreis der DGU letztendlich besprochen, wo es einerseits um die Verwendung von Einmalmaterialien geht oder auch um das Einsparen von Energie oder auch von sonstigen Ressourcen.
Und ein Themenbereich in diesem ganzen Komplex ist auch die Digitalisierung, die wir nutzen wollen, um auch ressourcensparend letztendlich tätig zu sein.
Christian Wülfing: Absolut super, und das ist genau der Punkt, also nochmal Querverweis zu anderen Folgen. Da haben wir ja das Thema CO2-Abdruck, Materialverbrauch, also Dinge, die sich ganz von selbst aufdrängen. Aber vielen Dank nochmal für die Überleitung.
Und damit sind wir mitten im Thema. Und ich frage mal Frau Kröger: Zuerst, liebe Frau Kröger, ich meine, Digitalisierung und Nachhaltigkeit, da können wir ja fragen, was überhaupt, wenn wir an digitale Lösungen denken – wir können gleich nochmal zusammentragen, was dafür die Medizin eigentlich, wovon wir eigentlich reden?
Und dann ist natürlich die nächste Frage: Was ist denn in Gottes Namen nachhaltig oder auch nicht nachhaltig an digitalen Lösungen? Wie ist das aus Ihrer Sicht?
Caroline Kröger: Ich glaube, da gibt es ganz schön viel, und Sie hatten gerade schon einiges angesprochen. Also für mich ist eine digitale Lösung dann auch nachhaltig, wenn sie über ihren gesamten Lebenszyklus mehr Wert schafft, als sie eben Ressourcen verbraucht, und zwar ökologisch, ökonomisch und sozial.
Und das heißt eigentlich gibt es dann so für mich drei Grundprinzipien: Sie muss wirkungsorientiert sein. Das heißt, die Lösung muss ein Problem lösen, zum Beispiel Wegesparen, Doppeluntersuchungen vermeiden, denn wenn Digitalisierung nur um ihrer Selbst willen stattfindet, ist es einfach nur verschwendete Energie und zwar im wörtlichen Sinne.
Es braucht auch eine Inklusion und Akzeptanz, das heißt, nur wenn die Lösungen vom Personal oder von Patientinnen genutzt werden, dann sind sie nachhaltig und überhaupt sinnhafter, weil wenn eine Lösung nicht genutzt wird, dann ist es wahrscheinlich das Nachhaltigste überhaupt, wenn sie gar nicht erst Ressourcen verbraucht und Wirkung zeigt. Nein, umgekehrt: Wenn sie nicht genutzt wird, verbraucht sie nur Ressourcen und zeigt keine Wirkung.
Darum finde ich, dass man mit Augenmaß vorgeht. Also nicht alles bietet sich an für Digitalisierung und nicht alles bietet sich an für KI-Modelle. Das heißt, nur da, wo es wirklich sinnvoll ist und wo man wirklich durch Technologie etwas verbessern kann, die Versorgungsqualität verbessern kann, ressourcenintensive Behandlungen vielleicht reduzieren kann – nur da macht das natürlich auch Sinn zu verwenden.
Also immer mit Augenmaß, immer zweckmäßig, sparsam und zugänglich das Ganze schaffen. Dann ist für mich eine digitale Lösung auch nachhaltig.
Christian Wülfing: Kann man vielleicht sogar sagen – und ich schaue mal oder wende meine Frage einmal an den Dr. Groen – kann man sagen, die Nachhaltigkeit kommt durch Digitalisierung?
Eddy Groen: Das ist eine spannende Frage! Ich versuche immer zu trennen zwischen der Nachhaltigkeit von Systemen und der Nachhaltigkeit durch Systeme. Natürlich, beim Letzteren wäre es ganz schlecht, wenn man ein System macht, das Nachhaltigkeit fördert, aber nicht in sich nachhaltig ist.
Ich schließe mich dabei aber auch völlig an bei Frau Kröger, die gesagt hatte, dass man da mehrere Dimensionen zu berücksichtigen hat. Im Software Engineering fügen wir sowieso noch zwei hinzu: die technische Nachhaltigkeit – gut, ist das Produkt selber auch in der Lage, um nachhaltig zu sein? Wie gut hat man das auch so gestaltet, dass es zum Beispiel auch ressourceneffizient ist? – sowie die individuelle Ebene, und das finde ich in der Gesundheitsvorsorge natürlich auch ganz wichtig:
Was macht das mit einer Person? Ja, also wenn ich mit einem System arbeite, macht es mich glücklich oder macht es mich gestresst? Aber auch natürlich sorgt ein System dafür, dass Menschen gesunder werden, gesund leben, aber auch vielleicht in der Gesundheitsversorgung versorgt werden und dadurch ein besseres Leben haben, die Lebensqualität positiv beeinflusst wird.
Christian Wülfing: Das heißt, irgendwo wollen wir alle Digitalisierung? Da können wir vielleicht mit Ludger Franzaring nochmal drüber sprechen. Also ich erlebe das in meinem Alltag so, in der Patientenversorgung, dass man im privaten Alltag oder im privaten Leben sehr viel Erneuerungen mit Digitalisierung und allem drum und dran hat.
Ja, die dänische Post hat kürzlich glaube ich sogar die Briefzustellung eingestellt. Also Digitalisierung passiert ja, und wir wünschen uns das an vielen Ecken und Enden.
Aber wie ist das, Ludger, in der Urologie? Das ist gar nicht so einfach, das auch zu thematisieren, mal abgesehen von vielleicht einem ganz einfachen Tool, was uns Termine vereinbart, elektronisch oder so. Aber wo siehst du denn überhaupt Digitalisierung bei uns im Alltag, bevor wir drüber nachdenken, ob es nachhaltig ist oder nicht?
Ludger Franzaring: Ja hallo Christian! Ich grüße dich. Ja, ich bin dazugekommen wie die Mutter zum Kind. Letztendlich ging das von dem letztmaligen DGU-Präsidenten Prof. Wollich hervor. Er hatte für den DGU-Kongress im letzten Jahr sich ein Schwerpunktthema herausgesucht, das sich mit dem Bereich der Nachhaltigkeit befasst. Letztendlich bin ich über die Arbeitsgruppe der Leitenden Krankenhausärzte in diesem Gremium gelandet, und wir haben uns über eineinhalb Jahre mehrfach getroffen und mehrfach Konferenzen geschaltet, wo wir uns mit dem Thema der Nachhaltigkeit und Digitalisierung befasst haben.
Das ist ein großes Gebiet, und insgesamt haben wir mit der Digitalisierung denke ich eine gute Möglichkeit, auch im Bereich der Nachhaltigkeit Ressourcen zu schonen, das ist ja das oberste Ziel. Wir haben unterschiedliche Themen in diesem Arbeitskreis der DGU letztendlich besprochen, wo es einerseits um die Verwendung von Einmalmaterialien geht oder auch um das Einsparen von Energie oder auch von sonstigen Ressourcen.
Und ein Themenbereich in diesem ganzen Komplex ist auch die Digitalisierung, die wir nutzen wollen, um auch ressourcensparend letztendlich tätig zu sein.
Christian Wülfing: Jetzt würde ich gerne noch mal fragen wollen, Frau Kröger, vielleicht an Sie: Was genau ist denn hier jetzt eigentlich mit Nachhaltigkeit in diesem Sektor gemeint? Ich könnte jetzt mal so ein bisschen vereinfacht sagen: Heißt Nachhaltigkeit bei Digitalisierung zunächst einmal nur, ob die digitale Methode viel oder wenig Strom verbraucht und damit die Umwelt schädigt? Ist das gemeint oder ist das nicht alles?
Caroline Kröger: Ich würde also sagen, es muss eben nicht nur ökologisch und nicht nur ökonomisch gedacht werden, sondern eben auch sozial gedacht werden. Das ist ja genau das, was Sie auch gerade angesprochen haben.
Und ich glaube auch, wenn man an Themen wie Telemedizin denkt, das spart ja auch CO2 insofern ein, dass es die Anfahrten vermindert. Hat sicherlich schon mal jemand ausgerechnet, ob die Fahrt mit dem eigenen PKW oder so mehr CO2 verschwendet als diese digitale Lösung der Telemedizin. Also das kann man schon ausrechnen.
Und ich glaube, also für mich zumindest in der Medizin ist das Thema Prävention statt Intervention. Also digitale Frühwarnsysteme, verschiedenste Möglichkeiten, die man durch Digitalisierung durch die Nutzung der Daten von Patienten hat, eben zu verhindern, dass es überhaupt zu einer Gesundheits- oder einer Krankheitsversorgung sozusagen kommen muss, wenn man eher in die Gesundheit investiert.
Also ist für mich tatsächlich der allergrößte Hebel überhaupt, sowohl ökologisch als auch ökonomisch und auch sozial, weil es halt auch Lebensqualität steigert, aber erst gar nicht krank wird.
Christian Wülfing: Also bevor ich Dr. Groen nochmal frage, der hat hier auch heftig genickt, eben als wir dieses Thema hatten. Ich finde es trotzdem super wichtig, auch noch mal klarzumachen, was wir eigentlich meinen mit Nachhaltigkeit, weil wir kommen schon aus einem Fokus bei der Betrachtung und des Alltags, da geht’s um tatsächlich Müll und Energie und diese Dinge.
Aber ich finde Ihr Beispiel sehr schön, Frau Kröger, ob wir sagen, wenn wir mehr in die – ja, Prävention ist wahrscheinlich fast noch zu klein gefasst –, aber in Tools reingehen, die uns helfen, das Schlimmere zu vermeiden oder so, das ist ja klassisch der Auftrag bei Prävention, dann ist es nachhaltig für die Patientinnen und Patienten.
Herr Groen, Sie wollten glaube ich auch nochmal was dazu sagen.
Eddy Groen: Also ich kann mich erstmal nur dabei anschließen, also ich finde es ganz wichtig, dass diese mehreren Dimensionen betrachtet werden. Natürlich ist es so, dass die ökologische Perspektive ganz wichtig ist, und sonst haben wir keine Nachhaltigkeit, dann wäre das Thema nicht da.
Aber wenn ich sage: „Ich bin eine Organisation und ich will was erwirken, aber ich stelle nicht sicher, dass meine eigene Organisation langfristig das auch bewirken kann“, dann ist das auch nicht nachhaltig. Da kommen diese ökonomischen Perspektiven rein.
Und genauso, es geht ja in der Medizin natürlich sehr stark um die Patientin, aber auch um das medizinische Personal, und auch die müssen in Augenschein genommen werden, auch bei Systemen.
Also man kann ja sagen: „Ich mache das System für das Buchen ganz leicht“, aber damit überfordere ich die Ärztin, dann ist man auch wiederum nicht nachhaltig. Das ist diese soziale Perspektive: Wie machen wir das miteinander?
Mir fällt es gerade noch mal ein, so dieses Beispiel, wie man auch oft genug die Situation hat: „Oh, der Patient ist jetzt da, bei uns fehlen noch die Bilder oder uns fehlt dies und fehlt das.“ Ja, dann kommen sie nochmal nächste Woche – wie leichtfertig man auch Menschen durch die Gegend fahren lässt, weil irgendwas noch nicht gut genug organisiert ist.
Ja, da haben wir natürlich auch in Zeiten tatsächlich auch Bürokratisierung und was man alles sicherstellen muss, da haben wir natürlich auch Herausforderungen, aber es ist glaube ich auch ein schönes Beispiel oder?
Caroline Kröger: Ja, und auch da würde ich sagen, also natürlich kommt hier auch das Thema Datenschutz ins Spiel: Was macht man online? Was traue ich als Patientin über meine Daten preisgegeben, wie jetzt über irgendwelche Online-Verbindungen? Aber auch das hat wiederum zu tun mit diesem Vertrauen.
Also vertraue ich der Organisation, die das betreut, als Krankenhaus oder auch meinem Arzt oder meiner Ärztin, und auch das ist ein wichtiger Faktor: Wie wird es wahrgenommen? Was ist da der beste Weg? Und gut, wenn dann die Mutter von Dr. Franzaring einen anderen Weg braucht – auch das müssen wir natürlich berücksichtigen.
Also es ist sehr wichtig bei Nachhaltigkeit, nicht einfach mal so zu denken: „Okay, jetzt sparen wir Strom, indem wir den Stecker ziehen.“ Das ist nicht die Lösung, aber genauso nicht zu sagen: „Jetzt müssen wir alle irgendwas machen lassen“, obwohl nicht jeder das vielleicht auch machen kann, weil dann schließen wir wieder Personen aus, und Inklusion ist da auch ein extrem wichtiges Thema.
Christian Wülfing: Ein Thema, was wir in den anderen Folgen auch häufig hatten, und das möchte ich gerne einmal thematisieren. Und ich frage dich noch mal, Ludger Franzaring: Das Thema nämlich, wie gehen eigentlich die Teams damit um? Also, wir sind jetzt ja hier ein kleines Klüppchen in diesem Podcast, die vor einem Monat noch gar nicht wussten, dass sie darüber reden werden, und ich stelle so bei mir selber fest, durch das Darüber-Sprechen und Nachdenken kommt da eine Beschäftigung mit dem Thema. Man beginnt auch die Dimensionen zu verstehen.
Deswegen einmal die Frage an dich, Ludger: Wie schätzt du es ein oder hast du schon Erfahrung mit den Teams? Wie gehen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den unterschiedlichen Ebenen damit um?
Ludger Franzaring: Ja, Christian. Ich komme gleich darauf zurück, aber ich möchte noch mal drauf aufmerksam machen: Wir nutzen ja jetzt im Augenblick schon im Rahmen dieses Online-Meetings die Möglichkeiten der Digitalisierung aus, und das ist natürlich ein Vorteil, schnell zu kommunizieren. Das ist mittlerweile schon Standard geworden, das wird zigtausendfach am Tag genutzt und bietet gute Möglichkeiten.
Ein anderer Punkt, den ich noch ansprechen wollte, ist zum Beispiel unser Jahreskongress. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie tagt einmal im Jahr mit etwa siebentausend Teilnehmern – wenn die mit der Bahn kommen oder mit dem Auto, schlimmer noch mit dem Flugzeug, dann kommen hier erhebliche Belastungen. Und wir haben ja in Corona-Zeiten gelernt, dass durchaus auch Kongresse online oder als Hybridveranstaltung stattfinden können, was zumindest dann die Anreiseprobleme reduziert.
Wir wissen alle, dass Online-Meetings immer etwas anders sind, und jeder nutzt gerne die Möglichkeit in Präsenzmeetings auch die Kollegen persönlich zu sprechen, das hat einen wesentlichen [Wert]. Dennoch kann mit solchen digitalen Kongressen ein Teil an Ressourcen geschont werden.
In Bezug auf die Teams glaube ich schon, dass sie bereit sind, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen. Es gibt aber Studien, die zeigen, dass mit vermehrtem Einsatz von digitalen Mitteln die Prozesse immer schneller werden und nicht jeder Mitarbeiter kann die Schnelligkeit dieser Prozesse mitgehen. Das heißt, die Systeme müssen so angepasst sein, dass sie leicht zu bedienen sind und trotzdem klar und strukturiert sind.
Das heißt, wenn wir ein Programm haben, wo man zu viele unnötige Klicks setzen muss, bis man am Ziel ist, das überfordert jeden irgendwann, und dann geht die Akzeptanz der Systeme mehr und mehr verloren.
Schlanke Systeme, möglichst schnell ans Ziel kommen, ohne große Umwege und eine genaue Strukturierung: Wenn man bei einem Programm erkennt, dass es die Mitarbeitenden überfordert, dann sollte man auch möglichst bald das Programm in der Weise ändern, dass es einfacher zu bedienen ist oder eben ganz andere Wege einschlägt.
Christian Wülfing: Sehr gut, das ist doch mal ein gutes Statement, wie wir in unseren Teams diese Themen vielleicht auch zukünftig kommunizieren.
Ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind schon fast am Ende dieser schönen Folge. Und wir haben hier ein paar schöne Impulse bekommen, finde ich, von unserem Gremium hier, von unseren Expertinnen und Experten. Ich würde zum Abschluss das tun, was wir immer hier gemacht haben, nämlich mal die Frage stellen an jeden Einzelnen: Wenn Sie der Urologie als Urologe oder auch Nicht-Urologe ein Nachhaltigkeitsrezept verschreiben könnten – was würde in einem Satz bei Ihnen auf diesem Rezept draufstehen?
Ladies first, Frau Kröger.
Caroline Kröger: Bei mir würde stehen: Digitalisierung dort einsetzen, wo sie Versorgung verbessert und Ressourcen spart. Twin Transformation als Standard und nicht als Bonus.
Christian Wülfing: Die Twin Transformation, genau das! Das haben wir so noch gar nicht zum Ausdruck gebracht. Könnten wir aber nochmal schnell tun? Vielleicht sagen Sie mal ganz kurz, was mit Twin Transformation eigentlich gemeint ist. Was ist diese Zwillings-Transformation?
Caroline Kröger: Die großen Transformationssäulen unserer Zeit sind ja Digitalisierung und Nachhaltigkeit, und beide gehen wunderbar Hand in Hand und sind eigentlich zwei Seiten derselben Medaille, deshalb lassen sie sich so gut kombinieren.
Christian Wülfing: Sehr gut, sehr gut. Vielen Dank nochmal für die Erklärung. Und Dr. Groen, was ist, was ist Ihr Rezept für uns, die Urologen?
Eddy Groen: Also, ich hoffe, dass jeder hier auch mitnimmt, dass die Betrachtung der Nachhaltigkeit hier breit und multiperspektiv ist. Und deswegen würde ich jetzt eher zu jedem persönlich sagen: Beginnt früh und einfach mit Nachhaltigkeit. Das heißt, Nachhaltigkeit ist ein Riesenberg, aber verändere einfach dein eigenes Mindset, befähige dich mit Werkzeugen, mit Sachen, mit denen du was anfangen kannst, und versuche dann auch ein Treiber für Nachhaltigkeit für andere zu sein.
Christian Wülfing: Was sagt der Urologe Ludger?
Ludger Franzaring: Ja, Christian, ich glaube, wir sollten bemüht sein, möglichst die Prozesse zu verschlanken. Dazu braucht es klare Algorithmen, klare Fragen, klare Antworten. Nur dadurch gelingt es, möglichst viele Menschen mit einzubeziehen in die Transformation.
Und wenn ich im Internet zum Beispiel nach einer Reise suche, da gibt es so viele Möglichkeiten, wo man dann vom Weg abweicht. Und wenn ich das machen soll, werde ich wahnsinnig dabei. Deshalb ist mein Plädoyer: Wir müssen gucken, dass die Prozesse schlank sind und sie von jedem letztendlich erfüllt werden können. Nur dadurch können wir dann tatsächlich die Akzeptanz steigern, und dadurch hoffe ich, können wir einen Beitrag dazu leisten, Ressourcen zu schonen.
Christian Wülfing: Und die nachhaltigste Reise wäre ja eine Stadtwanderung in Koblenz, bei dir?
Ludger Franzaring: Ja schön, wär toll, kommt vorbei am Deutschen Eck! Das ist ’ne tolle Gegend in der Mitte von Deutschland, lasst euch überraschen, das lohnt sich auf jeden Fall.
Christian Wülfing: Wunderbar, ich darf mich ganz herzlich bedanken bei dieser Runde: Liebe Frau Kröger, lieber Dr. Groen, lieber Ludger Franzaring! Das ist eine schöne Folge, die sich schön einbettet in die anderen Folgen. Und Sie, meine liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, dürfen gerne in all diese Folgen des Urologie-Podcasts zur Nachhaltigkeit in der Urologie nochmal reinhören und diese auch teilen. Das würde uns erfreuen, und ich sage nochmal vielen, vielen Dank in diese Runde. Alles Gute an alle! Und vielen Dank fürs Zuhören. Schalten Sie gerne wieder ein bei den anderen Folgen. Und ein herzliches Dankeschön aus Hamburg. Vielen Dank! Tschüss!