Der Priapismus ist ein urologischer Notfall, der schnelles und entschlossenes Handeln erfordert, um irreversible Schäden am Schwellkörper zu verhindern. Während die konservativen Maßnahmen wie die Aspiration und die intracavernöse Injektion von Sympathomimetika in der Akuttherapie eine zentrale Rolle spielen, ist das Wissen um die operativen Optionen entscheidend, wenn diese Therapien versagen.
Die operative Therapie zielt darauf ab, einen ausreichenden venösen Abfluss aus den Schwellkörpern wiederherzustellen. Die Wahl der Methode hängt dabei vom individuellen Fall und den vorliegenden Gegebenheiten ab. Die Schaffung eines Shunts ist die primäre operative Strategie. Hierbei werden verschiedene Techniken unterschieden, die den venösen Abfluss von den Corpora cavernosa in die Corpora spongiosa oder direkt in eine Vene herstellen.
Zu den bekanntesten Techniken zählt der distale oder penile Shunt nach Winter oder Ebbehoj. Bei diesen Verfahren wird ein direkter Abfluss zwischen den Corpora cavernosa und der Glans penis geschaffen. Die Vorteile liegen in der relativ einfachen Durchführbarkeit und der Möglichkeit, den Eingriff unter Lokalanästhesie durchzuführen. Sollten distale Shunts nicht erfolgreich sein oder eine Thromboembolie im Schwellkörper vorliegen, können proximale Shunts in Betracht gezogen werden. Hierzu zählen beispielsweise die Shunts nach Quackels (Corpus cavernosum-Corpus spongiosum) oder Grayhack (Corpus cavernosum-Vena saphena magna). Diese Verfahren sind invasiver und erfordern in der Regel eine Vollnarkose, bieten aber die Chance, auch komplexe Fälle zu behandeln.
Unabhängig von der gewählten Methode ist das oberste Ziel die rasche Detumeszenz, um die Sauerstoffversorgung des Schwellkörpergewebes wiederherzustellen und damit eine fibrotische Umwandlung und die damit verbundene erektile Dysfunktion zu vermeiden. Die postoperative Nachsorge und die sorgfältige Überwachung des Patienten sind ebenso entscheidend wie der Eingriff selbst.
In unserer Fortbildung werden wir die einzelnen Shunt-Verfahren im Detail besprechen, ihre Indikationen und Erfolgsaussichten beleuchten sowie Fallbeispiele diskutieren, um Ihnen die Entscheidungsfindung im klinischen Alltag zu erleichtern.
Und wie immer bei urotube gibt es ausreichend Zeit, unserem Experten eine Frage nach der anderen zu stellen. Wir planen ausreichend Zeit für Ihre Fragen ein!
HINWEIS: Wir mussten den Vortrag vorher aufzeichnen, da Prof. Osmonov überraschend einen Kollegen beim ESGURS-ESAU25 in Turin vertreten muss.
YoungProfessionals
Die Fortbildungsreihe YoungProfessionals richtet sich an junge Ärzt:innen in Weiterbildung. In regelmäßiger Folge behandeln wir hier Themen, die nicht nur für junge Urolog:innen interessant sind. Die Moderation wird von einer Urologin bzw. einem Urologen übernommen, der selbst am Anfang der Berufslaufbahn steht und noch nah dran ist an den Fragen kurz nach dem Studium. Das Thema präsentieren wie gewohnt führende Expertinnen und Experten auf dem Gebiet.
Wissenschaftliche Leitung
Prof. Dr. med. Axel Merseburger (Lübeck)
Programm
Begrüßung und Einführung
Florian Birner
OP-Optionen beim Notfall Priapismus
Prof. Dr. med. Daniar Osmonov (Lübeck)
Fragen & Diskussion
Moderator, Referent & Teilnehmer:innen